Was ist Archäometrie ?

Archäometrie umfasst die Entwicklung und den Einsatz naturwissenschaftlicher Methoden zur Lösung kulturhistorischer Fragestellungen. Dies schließt die fächerübergreifende Mitwirkung der Biowissenschaften, Chemie, Geowissenschaften und Physik von naturwissenschaftlicher Seite sowie der archäologischen Disziplinen, Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Restaurierung von kulturhistorischer Seite ein.

Warum braucht die Archäometrie in Deutschland eine neue Organisationsform ?

Seit ca. 25 Jahren ist die Archäometrie in Deutschland in zwei Arbeitskreisen organisiert, eingebunden jeweils in eine große chemische und eine mineralogische Fachgesellschaft. Diese Organisationsform wird dem heutigen Entwicklungsstand der Archäometrie nicht mehr gerecht, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Archäometrie - ursprünglich auf physikalische und chemische Verfahren beschränkt - hat sich methodologisch verbreitert, hin zur verstärkten Einbeziehung von Geowissenschaften und Biowissenschaften. Wichtige Teildisziplinen der Archäometrie finden sich in diesen beiden Arbeitskreisen nicht repräsentiert.
  • Obwohl die Archäometrie den Schritt von der Hilfswissenschaft zur Partnerwissenschaft der Archäologie und Denkmalpflege längst vollzogen hat, haben es die bestehenden Arbeitskreise nicht vermocht, ins Bewusstsein der Archäologen und Denkmalpfleger zu rücken. Auf die Tagungen der Arbeitskreise verirrt sich kaum eine Archäologe. Die Archäometrie muss attraktiver für Archäologen und Denkmalpfleger werden!
  • Die marginale organisatorische Existenz der Archäometrie in zwei Arbeitskreisen innerhalb naturwissenschaftlicher Fachgesellschaften entspricht weder ihrer wissenschaftlichen Bedeutung noch ihrem transdisziplinären Wesen. Daher können in der bisherigen Organisationsform die Belange und Aufgaben der Archäometrie weder effektiv noch repräsentativ vertreten werden.

Aus diesem Unbehagen heraus ist auf dem Diskussionsforum Archäometrie am 29. und 30. November 1997 in Heidelberg der Ruf nach einer Neuorganisation der Archäometrie laut geworden. Am Ende stand der Wunsch nach einer integrierenden, flexiblen Organisationsform, die das weite Spektrum der Archäometrie reflektiert und forschungspolitisch aktiv vertritt. Es wurde eine Initiativgruppe gewählt, um die erforderlichen weiteren Maßnahmen zur Reform vorzubereiten. Das Ergebnis dieser Bemühungen liegt nun vor, nämlich die am 28.Mai 1999 anlässlich des 3. Deutschen Archäologenkongresses in Heidelberg gegründete Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie ARCHAEOMETRIE .

 
Was will die neue Gesellschaft?

Ihr Zweck ist, Archäometrie in Forschung und Lehre zu fördern. Sie sucht den fächerübergreifenden Dialog zwischen naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Fächern, um damit zur Lösung archäologischer, kunstgeschichtlicher und denkmalpflegerischer Fragestellungen beizutragen, was sowohl chemische und physikalische als auch biowissenschaftliche und geowissenschaftliche Methodik erfordert. Die Gesellschaft soll dadurch die Funktion einer Schnittstelle zwischen kulturhistorischen und naturwissenschaftlichen Fächern wahrnehmen. Zur Erreichung dieses Zwecks sind Fachtagungen, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Informationen, Zusammenarbeit mit Institutionen vergleichbarer Zielsetzung sowie sachbezogene Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen. Die Gesellschaft soll Ansprechpartner für andere Fachgesellschaften, für Forschungsförderungseinrichtungen, für Verlage, für ausländische Partner und bei Fragen der akademischen Lehre sein.